Manuela de Buhr   

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Angst - lähmendes Gefühl und Heilungspotential

Gepostet am 6. Februar 2017 um 7:20

Die ursprünglichste und intensivste Angst, die wir spüren können, ist die Todesangst. Ich sitze gerade auf dem Balkon unseres Zimmers mit dem Blick auf das Meer, eine traumhafte Kulisse und doch beschäftigt mich grad ein solch unschönes Thema.

Viele Ängste durfte ich mir in den letzten Jahren anschauen und ich bin ganz gut vorangekommen in der Heilung all meiner Ängste. Dachte ich bis vor 2 Tagen.

 

Hin und wieder tauchte eine Angst auf, wurde von mir ganz bewusst wahrgenommen und gefühlt. Dann habe ich das getan, was ich gelernt habe, um diese Angst zu heilen. All die Möglichkeiten, die man lernt oder eben aus sich heraus erschaffen hat. Die eine oder andere Angst benötigt ein paar mehr Durchgänge, da wir sie bereits in vielen Leben gespürt haben oder aber eben oft mit ihr konfrontiert wurden. Völlig egal, ob es der gleiche Zusammenhang war oder nicht. Das ist ja auch gar nicht wichtig. Wichtig ist das wieder fühlen, das bewusst wahrnehmen und das bewusste verarbeiten bzw. heilen.

 

Vorgestern nun saßen wir im Flugzeug auf dem Weg nach Mauritius, wo ich nun gerade auf dem Balkon sitze. Es war ein langer Flug und während der Nacht kam plötzlich die Durchsage, dass es nun wetterbedingte Turbulenzen geben wird. Gut, habe ich schon des Öfteren gehabt. Da habe ich mir dann noch nicht wirklich Sorgen gemacht. Und dann ging es los. So richtig. Das Flugzeug schüttelte sich in alle Richtungen. Rechts, links, oben, unten, schräg, schief…. Es holterte und polterte und die Menschen schrien an Bord. Vereinzelte fingen an zu würgen, husten und einige übergaben sich.

Mein Magen blieb stabil. Kein Problem. Aber was war da in meinem Inneren los????? Angst. Pure, nackte Angst. Angst um mein Leben. Mein jämmerliches, kleines und unbedeutendes Leben. Naja, ich weiß, dass mein Leben toll ist und auch nicht unbedeutend. Aber so kam ich mir in diesem Moment vor. Absolut unbedeutend. Das Gefühl rührte daher, dass ich meine absolute Ohnmachtsposition in diesem Moment so deutlich vor Augen geführt bekam, dass ich absolut überfordert war damit. Ich konnte nichts tun. Ich war ausgeliefert. Dem Piloten, der Maschine und dieser Sturmfront. Ich hatte pure Todesangst. In mir drin tobte ein Sturm, so wie draußen um das Flugzeug. Mein Herz raste, Hitze strömte samt Adrenalin durch meinen Körper und mein Kopf war ganz ruhig und einfach nur entsetzt, was da grad in meinem Körper los war. Mein Kopf konnte natürlich sofort erfassen, was das war. Ich nahm ganz bewusst wahr, dass dort die existenziellste Angst in mir tobte, die einen Menschen treffen konnte. Todesangst. Mein Kopf war nicht in der Lage, diesen Sturm in mir zu beruhigen. Meine Gedanken gingen zu meinen Kindern, zu meinem Mann neben mir, zu Mauritius, welches ich doch noch sehen wollte, die ganzen Plätze dieser Welt, die ich noch sehen wollte, zu meiner Lebensaufgabe, meiner Berufung, der ich doch jetzt grad immer näher komme und beginne nun mit allen Fasern zu leben, zu dem, was die geistige Welt und meine Seele doch noch mit mir vorhaben, ich kann und darf doch jetzt noch nicht sterben. All diese Gedanken stürmten durch meinen Kopf und mein Körper war im Ausnahmezustand.

Nach ein paar Minuten, die mir allerdings wie eine Ewigkeit vorkamen, flog das Flugzeug wieder sicherer und ruhiger und so langsam war es mir möglich, wieder tief einzuatmen und bewusst in diese Gefühle hineinzufühlen, die sich da eben aus meinem tiefsten Inneren einen Weg nach draußen gebahnt haben.

Dieses Gefühl der Todesangst war mir nicht unbekannt. Nein, ganz und gar nicht, doch hat es in diesem Leben noch nie sein müssen, sie zu spüren. Und nun war wohl der Zeitpunkt gekommen, auch diese älteste und intensivste Angst zu spüren um zu erkennen, dass diese in mir und meinen Zellen schlummerte. Die ganze Zeit, mein ganzes Leben, meine ganzen Leben.

Ich bin in die Heilung gegangen. Habe gelöst, transformiert, geheilt was das Zeug hält. Welche Chance hat mir da meine Seele geschenkt. Obwohl sich das Fühlen dieser Todesangst nicht wie ein Geschenk anfühlte.

Aber sind es nicht die schlimmsten Erfahrungen und Gefühle das, die uns bewusst werden und wachsen lassen? Jaaaaa, genauso ist es! Und für diese Möglichkeit, diese Angst in mir zu heilen bin ich sehr, sehr dankbar.

Vielleicht denkt jetzt der ein oder andere, ich hätte einfach in der Liebe, im Glauben bleiben müssen und gut wäre es gewesen. DAS ist für mich nur die Möglichkeit, wenn diese Angst in mir bereits geheilt gewesen wäre. Dann sollte es so sein. Und mit aller Macht in der Liebe und im Glauben sein zu wollen in diesem Moment, wäre doch absolut das falsche. Absolut kontra-produktiv gewesen. Wie soll ein Mensch erkennen, welche Ängste in ihm schlummern, wenn er nicht die Möglichkeit bekommt, diese zu erkennen? Und wie kann ein Mensch erkennen, wenn er diese Ängste nicht fühlen darf? Für mich steht fest: Alles was ich fühle, kann ich für mich heilen. Einfach mal so ins Blaue hinein zu transformieren oder zu heilen, ist für mich nur rühren an der Oberfläche. Erst in der Intensität der Wahrhaftigkeit des Fühlens ist Heilung wahrhaft möglich. Mit Gewalt in der Liebe zu bleiben hätte für mich in diesem Moment bedeutet, das was da gerade seinen Weg hochbahnt aus meinen Zellen, zu ignorieren, wegzuschieben, zu verdrängen. Ich glaube, das ist gar nicht so wenig verbreitet. Erstens möchte wohl keiner gerne Angst spüren. Und dazu kommt noch, dass es vielleicht für den Ein oder Anderen das Eingeständnis ist, da ist was noch nicht geheilt in mir. Viele Menschen verschließen ihre Augen davor sich eingestehen zu müssen, dass da noch Baustellen sind. Und in diesem Fall eine gewaltige Baustelle, geht es hier doch um die für mich existentiellste Angst. Die Angst, mein Leben zu verlieren, meine Lieben zu verlassen, vorzeitig zu gehen (also in meinen Augen), noch nicht fertig zu sein mit meinen Aufgaben usw..

Vielleicht ist es in der Welt derer, die nur auf der Liebeswelle schwimmen möchten, unschön und nicht chic, solch „dunkle“ Seiten zu zeigen, sich zu zeigen in der Unfertigkeit und Unvollkommenheit. In dem Wissen, dass der Andere vielleicht weiter ist als ich.

Ich werde in den nächsten Tagen weiter hineinspüren, ob es noch tiefere Wurzeln dieser Angst in mir gibt, denn ich möchte diese heilen. Denn nur so kann ich in einem solchen Sturm tatsächlich im Glauben und in der Liebe bleiben, frei von Ängsten, im Vertrauen in Gott und meinen Weg. Sollte er denn auch, wann immer, zu Ende sein.

 

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